Bitkom zum EU-Vorschlag für einheitliche Ladebuchsen

Berlin, 23. September 2021 - Die EU-Kommission macht am Donnerstag einen Gesetzesvorschlag für einheitliche Ladebuchsen an Handys, Tablets und anderen Elektrogeräten. Dazu erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder:

„Bitkom begrüßt ausdrücklich, dass sich die EU-Kommission darum bemüht, die Menge an Müll und Elektroschrott schnell und stark zu senken. Im Sinne einer funktionierenden, echten Kreislaufwirtschaft muss sie möglichst nah Richtung Null gefahren werden. Es gibt viele Hebel und Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, einheitliche Ladebuchsen für Smartphones und andere Geräte zählen nicht dazu. Viele Hersteller sind hier bereits deutlich weiter als die Politik: Sie setzen auf kabelloses Laden auf Basis des herstellerübergreifenden Qi-Standards. Auch werden bereits jetzt neue Geräte im Sinne der Nachhaltigkeit oftmals ohne Netzteil ausgeliefert, so dass die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Netzteile weiter nutzen können. In diesem Zusammenhang haben einheitliche Ladebuchsen sogar einen negativen Umwelteffekt. Wenn ein nicht eben kleiner Teil der Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer durch einen solchen Eingriff seine bisherigen Ladekabel für neue Geräte nicht mehr nutzen kann, wird dies die Menge des anfallenden Elektroschrotts vergrößern. Das betrifft auch zusätzliches Equipment wie Kopfhörer oder Dockingstationen. Gleichzeitig verstößt ein solcher regulatorischer Eingriff gegen das Prinzip der Technologieoffenheit. Aller Voraussicht nach wird er eine Reihe künftiger Innovationen, die auch die Umweltbilanz der Geräte verbessern werden, bremsen oder ganz verhindern.

Auf die Umweltbilanz von Smartphones und anderen Geräten wirken sich eine ganze Reihe von Faktoren aus, deren Bedeutung weit über die der Ladekabel hinausgehen: Nutzungsdauer und der Energieverbrauch sind die wichtigsten. Hier sind die Hersteller in der Pflicht, indem sie die Geräte immer energieeffizienter und unempfindlicher gegen äußere Einflüsse wie Wasser und Stöße machen. Es können aber auch alle Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Teil dazu beitragen, etwa indem sie die Energieeinstellungen ihres Geräts auf Sparsamkeit trimmen und indem sie ihr Gerät zum Beispiel durch eine gute Hülle und Bildschirmfolie vor Schäden schützen.“