Bitkom zum Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“

  • Arbeitsgruppe überreicht Abschlussbericht an Bundeskanzlerin Angela Merkel 
  • Bitkom-Geschäftsleiterin Susanne Dehmel: „Digitale Technologien schaffen Transparenz und machen Landwirtschaft erlebbar“
  • Durch zügige Digitalisierung der Landwirtschaft können bis 2030 rund 7 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden

Berlin, 06. Juli 2021 - Ob bei der Verbesserung der Biodiversität oder der Gesundheit von Tieren und Böden: Digitale Lösungen helfen, die Nachhaltigkeit zu steigern und sind damit ein wichtiges Werkzeug für die Transformation der Landwirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt auch der Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“. Am heutigen Dienstag (6. Juli) wird er an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben.

„In weniger als einem Jahr hat die Kommission Beeindruckendes geleistet: Sie hat  einen von allen beteiligten Gruppen mitgetragenen Abschlussbericht vorgelegt, der   die nötigen Schritte aufzeigt, mit denen unsere Landwirtschaft klimafreundlicher und ressourcenschonender werden und gleichzeitig hochproduktiv und effizient bleiben kann“, sagt Susanne Dehmel, Geschäftsleiterin des Digitalverbands Bitkom und Mitglied in der Zukunftskommission für den Sachverständigenrat für Verbraucherfragen. „Die Kommission hat dabei auch die wesentliche Rolle der Digitalisierung unterstrichen. Digitale Technologien schaffen Transparenz und machen Landwirtschaft für Verbraucherinnen und Verbraucher erlebbar. Sie müssen fester Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft sein.“

Fast drei Viertel (73 Prozent) der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sehen in der Digitalisierung eine Chance. Das ergab eine Studie von Bitkom, Deutschem Bauernverband und Rentenbank, für die 500 Betriebe im Frühjahr 2020 befragt wurden. Die Zukunftskommission fordert unter anderem, der Digitalisierung bei der Umsetzung von Klimazielen eine wichtigere Rolle zuzumessen. Laut einer Bitkom-Studie könnten durch eine zügige Digitalisierung des Sektors bis 2030 rund 7 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Erzeugerinnen und Erzeuger können mit digitalen Technologien etwa ihren Ressourceneinsatz optimieren und Dünger und Pflanzenschutz sparen, ohne die Produktivität zu gefährden. Zudem kann die Digitalisierung das Tierwohl verbessern. Auch die Betriebe profitieren von der Digitalisierung: 81 Prozent erklären, die Digitalisierung erhöhe die Produktionseffizienz. 79 Prozent zählen die körperliche Entlastung zu den Vorteilen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ermöglichen digitale Technologien dem Bericht zufolge transparentere Einblicke in die Landwirtschaft: So entstünden neue Vermarktungsformen für den regionalen Vertrieb von Lebensmitteln und ein direkter Dialog zwischen Betrieben und ihren Kundinnen und Kunden. Zudem könnten Informationen transparent vermittelt werden. Dieser Aussage stimmten zuletzt 88 Prozent der befragten Erzeugerinnen und Erzeuger zu. Allerdings boten bisher nur 16 Prozent eine Online-Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte „vom Hof bis zum Teller“ an. Nur ein Zehntel hatte Webcams im Stall oder auf dem Feld installiert. Für zusätzliche Transparenz sollen laut Kommission auf EU-Ebene verständliche und verbindliche Kennzeichnungen für Tierwohl, Herkunft, Nährwert und perspektivisch auch Nachhaltigkeit eingeführt werden. Auch sollten Mehrkosten bei Lebensmitteln für einkommensschwache Haushalte sozialpolitisch flankiert werden.

Um zügige Fortschritte zu ermöglichen, fordert die Zukunftskommission auch eine Reihe von Maßnahmen mit dem Ziel, die Digitalisierung voranzutreiben. „Es braucht eine finanzielle Unterstützung vor allem kleinerer und mittlerer Betriebe bei der Anschaffung präziser und digital gesteuerter Sensor- und Ausbringtechnik und smarter Software. Wenn etwa Dünge- und Pflanzenschutzmittel punktgenau ausgebracht werden, schont das nicht nur Umwelt und Klima, sondern spart auch Geld und Ressourcen“, so Kommissionsmitglied Dehmel. Zudem müsse der Zugang zu staatlich erhobenen Geo-Daten erleichtert werden; für landwirtschaftliche Betriebe sollten sie kostenfrei bereitgestellt werden. Auch die Beratung zur Anwendung neuer Techniken solle ausgebaut werden. „Und wir müssen in den Berufs-, Fach- und Hochschulen die Ausbildungsinhalte um den Umgang mit digitalen Technologien erweitern. Nur so können die daraus resultierende Fortschritte fester Teil einer nachhaltigen Landwirtschaft werden“, erklärt Dehmel.  

Die Maßnahmen eint, dass sie zügig umgesetzt werden sollten, meint Dehmel: „Der Abschlussbericht der Zukunftskommission zeigt mit seinen konkreten Empfehlungen einen gangbaren Weg für den Umbau des Landwirtschafts- und Ernährungssystems auf. Nun muss sich die Politik schnellstens auf diesen Weg machen und die Umsetzung der Maßnahmen vorantreiben.“